Hallo Freunde,
für meine Verhältnisse musstet ihr ja ganz schön lang auf den nächsten Bericht warten, aber hier kommt er nun. Macht euch demenstprechend auf was Längeres gefasst :-)
Zuerst einmal gute News an der Telekommunikationsfront: Seit Montag haben wir einen Telefonanschluß inklusive Telefon und Festnetznummer, auf der ich angerufen werden kann:
0061 2 9700 8778
lautet die Nummer um mich aus Deutschland zu erreichen. Normalerweise bin ich so zwischen 18 und 23 Uhr daheim, d.h. im Moment 8 bis 13 Uhr in Deutschland. Und es geht weiter mit guten News. Gestern Abend habe ich Kristin endlich dazu getrieben auch einen DSL-Vertrag abzuschließen! Meine Tage im Internetcafe sind also gezählt :-) Meine Aussage bezüglich der rückständigen Breitbandtechnik hier muss ich teilweise revidieren. Unser Anschluß soll bis zu 24 MBit/s unterstützen (ADSL2+), allerdings haben wir einen Vertrag mit 25 GB Trafficlimit, der uns 50 AUD pro Monat kostet. Aber ich wollt mich hier eh net als Downloadking profilieren – wobei ich ehrlich gesagt überhaupt keine Ahnung habe wieviel Traffic ich normal so produziere, Flatrate in Deutschland sei Dank.
Nun aber mal meine Erlebnisse seit dem letzten Bericht der Reihe nach:
Am Samstagvormittag widmete ich mich zuerst einmal dem Proviant für den Tag. Ich war wild entschlossen dieses Mal keinem Take Away Geld in den Rachen zu werfen und so entstanden meine zwei ersten echten Sandwiches in Australien. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass auch eines meinem Hunger genügt hätte, aber wer mich kennt, weiß, dass ich eine tief verwurzelte Angst davor habe nicht satt zu werden :-)
Anschließend machte ich mich auf in die City um das erste Mal gezielt shoppen zu gehen. Ich wollte eine schwarze Tuchhose (für einen einwandfreien Smart Casual Look beim “Cheese Festival”) sowie eine normale kurze Hose erstehen. Auf dem Weg durch die Shoppingmalls habe ich nach einem Tipp meiner Mama auch einen deutschen Bäcker mit deutschem Brot gefunden! Ich weiß schon wo ich bald nochmal einkaufen gehe. Darüber hinaus fand ich in einem Laden Schokoladendrops, die hier einwandfrei unter dem Namen (sorry für die Fäkalsprache) “Känguruh-Scheiße” verkauft werden – vermutlich als Vorbereitung falls man im Outback verloren geht.
In der Sydney Central Plaza wurde ich im “Myer” dann auch mit meinem Kleiderkauf fündig und erstand zwei Hosen zum Summenpreis von 99 AUD, womit ich durchaus zufrieden war. Da der Tag noch jung war, plante ich mich näher an das Sydney Opera House heran zu wagen. Das Wetter war schön, im Sydney Harbour lag ein Kreuzfahrtschiff (ganz schön groß, obwohl sicher kein ganz großes) und die Oper war aus der Nähe fast so imposant wie aus der Ferne. Mehr gibts darüber aber auch nicht zu berichten, ich bin schließlich Automobilingenieur und kein Architekt ;-) Auf dem Heimweg steuerte ich schließlich noch durch den Botanischen Garten, der ebenfalls sehr schön ist und einen gewissen Ruhepol inmitten der Stadt bietet. Wobei man sagen muss, dass am Wochenende deutlich weniger Verkehr in der City herrscht. Das Parlament habe ich nebenbei auch noch gesehen, doch wer meine Bilder anschaut wird erkennen, dass die Australier wohl nicht allzuviel Wert auf Äußerlichkeiten legen. Es war einigermaßen schmucklos und stand einfach so am Straßenrand. Allerdings bin ich mir nicht sicher ob es DAS Parlament von Australien ist (das müsste doch in Canberra sein?) oder nur irgendein Parlament – fragt sich dann nur von was. Von New South Wales? Ich muss mich mal schlau machen.
Abends stand dann das Cheese Festival im Porsche Zentrum an, zu dem ich mich in meinem neuen Smart Casual Look begab. Nur um dann festustellen, dass “Smart Casual” wohl auch als “alles außer Anzug” verstanden werden kann und ich mich in Jeans nicht hätte schämen müssen. Egal, jetzt hab ich ein Paar schicke Hosen. Es gab etwa 15 verschiedene Käsesorten, die auf geschmacksneutralen Crackern gereicht wurden. Insgesamt war es schon besser als der leidige Cheddar überall, aber so der ultimative Höhenflug für meine verwöhnten Geschmacksnerven blieb aus. Auf jeden Fall wars ein netter Abend in schniekem Ambiente.
Den Sonntag verbrachte ich mit einem Trip zu Manly Beach, einem Strand in einem etwas reicheren Viertel von Sydney, zu dem man eine halbe Stunde mit der Fähre braucht. Auf dem Weg dorthin kreuzt man einmal die Meerenge am Eingang zum Port Jackson (der Meeresarm, um den sich Sydney zieht) und man merkt deutlich am Schaukeln des Schiffes, wann einen die Wellen des Pazifik erwischen! Dort habe ich dann auch zum ersten Mal den offenen Pazifik mit eigenen Augen gesehen… welch ein Moment! In Manly am Hafen gabs dann gleich mal ein Highlight: Ein ALDI SÜD! Da musste ich natürlich rein, und drinnen sah alles wohlvertraut aus, nur die Produkte hießen größtenteils anders. Nachdem ich allerdings Palazzo Schokokekse mit dunkler Schokolade gefunden hatte, konnte ich nicht widerstehen und musste eine Packung mitnehmen. Sie schmecken wirklich wie daheim und auf dem ersten war sogar das Brandenburger Tor :-)
Da der Himmel recht bewölkt war, legte ich mich nicht an den Strand sondern entschied mich für einen “Bushwalk” – einen kleinen Pfad durch den Northern Head National Park, der direkt an Manly angrenzt. Ich hatte das erste Mal das Gefühl ein bißchen in der Wildnis zu sein, dementsprechend auf der Hut war ich vor allen möglichen giftigen Tieren, wobei ich im Moment pauschal einfach alles in Australien als giftig und todbringend ansehe. Besser so als anders rum. In der Theorie hätte der Weg wohl einfach nur EIN Weg sein sollen und vielleicht sollte er auch ausgeschildert sein. In der Praxis waren keine Schilder zu sehen und es zweigten andauernd irgendwelche Trampelpfade ab, die nicht immer vom Hauptweg zu unterscheiden waren. Zum Glück begegneten mir zwei Mal Jogger, sonst hätte ich mich mental schon damit abgefunden, dass ich wohl einer der ersten Menschen sein würde, die sich in einem der kleinsten Nationalparks Australiens verirren. Besonderes Glück hatte ich, als mich ein Jogger überholte und auf einmal verschwunden war – er war durch ein Loch in einer Steinmauer geschlüpft, dass ich wohl sonst nicht als vorgesehenen Weg erkannt hätte. Aber ansonsten wars schön *g*
Unheimlich nervig waren nur die Fliegen, die es hier in Australien eigentlich überall gibt. Diese Fliegen sind ein bißchen kleiner als unsere in Europa, aber dafür dermaßen hartnäckig! Wenn sich eine Fliege in den Kopf gesetzt hat in dein Ohr zu krabbeln, dann kann man sie zigmal wegschlagen, sie kommt immer wieder zielstrebig zurück. Nicht umsonst wird das Fuchteln mit Hand und Unterarm vor dem Gesicht oftmals als australischer Gruß mißverstanden :-)
Am Sonntagabend gabs dann bei mir Zuhause ein Welcome-Barbecque von Kristin und seiner Freundin für mich. Dazu hatten sie noch ihre zwei besten Freunde eingeladen. Als ich heimkam waren Kerstie (ich glaub so heißt Kristins Freundin inzwischen) und ihre Freundin grade dabei das Wohnzimmer umzugestalten. Ich war unheimlich erleichtert, dass nicht nur ich unsere aktuelle Wohnsituation als etwas ungemütlich empfand… und obwohl sie nur vorhandene Dingen umarrangierten, ist es jetzt schon wesentlich gemütlicher! Und wer sich jetzt wundert: Ja, das ist der Pool, der zu dem Haus gehört in dem ich wohne. Direkt neben dem Pool ist der Grill, der von allen benutzt werden kann (ein fetter Gasgrill, wie überall hier). Solange man die direkte Umgebung nicht sieht, sieht es wunderschön aus, oder?
Kleine Notiz von Gestern: Ich habe mir endlich Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen für die Arbeit gekauft und mal wieder gemerkt, wie man sich auch über kleine Dinge freuen kann, und zwar über den Schuhkarton! Da ich im Moment ja nicht allzuviel Platz in meinem Zimmer zum Verstauen von Dingen habe, ist ein Schuhkarton schon ein großer Schritt.
Eben beim Duschen habe ich zum ersten Mal eine Spinne in Australien gesehen. Etwas enttäuscht war ich, dass sie vermutlich nicht giftig ist. Mit Sicherheit kann ich das zwar nicht sagen (man weiß ja nie in Australien), aber sie hatte zumindest keinen roten Rücken (Redback, sehr giftig) und war auch nicht 4cm groß, schwarz und behaart (Trichterspinne, noch giftiger und eine Spezialität von Sydney). Aber wie gesagt, ich muss mich auf dem Gebiet “Erkennen giftiger Tiere” noch verbessern.
So, das war jetzt wirklich ein langer Bericht. Ich hoffe niemanden gelangweilt zu haben und hoffe ebenfalls, den nächsten Bericht vielleicht schon vom eigenen Internetzugang aus schreiben zu können. Ihr werdet es auf jeden Fall mitbekommen.
Ich freu mich weiterhin über euer reges Interesse,
viele Grüße in die Heimat,
Euer Michi
- Neues Album: Sydney Opera
- Neues Album: Manly
- Neues Album: Verschiedenes