So kann es gehen: An einem grauen Februartag unterhielten Ziby und ich uns noch darüber, wie wir den Schnee und damit die mangelnden Drift-Gelegenheiten in Deutschland vermissten, und am nächsten Tag lag uns schon die Rettung in Form einer eMail vor: Dr. von Meißner, ein langjähriger Teilnehmer des Akademischen und Freund der AMS hatte noch Plätze in einem seiner Fahrertrainings am Polarkreis frei und bot diese nun AMS Mitgliedern an. Wir zögerten nicht lange und so ging es am 27. Februar von Stuttgart aus per Flugzeug nach Arvidsjaur in Nordschweden.
Arvids… was?
Die Gegend rund um Arvidsjaur und das 80km entfernte Arjeplog in Nordschweden ist sozusagen das Mekka der deutschen Automobilindustrie was die Wintererprobung der Fahrzeuge angeht. Alle großen Firmen und Zulieferer sind vertreten und dementsprechend viele deutsche Kennzeichen und Oberklasse-Wagen sieht man dort. Auch der ein oder andere Erlkönig läuft einem schon mal
über den Weg. Die Hauptsaison geht von November bis März, außerhalb dieser Zeit ist dort oben tote Hose. Die Region lebt sehr stark von und damit auch mit der Automobilindustrie: So tendiert dort z.B. die Anzahl der Radarkontrollen stark gegen null wie man uns zu erzählen wusste. Dementsprechend ist eine Reisegeschwindigkeit von 120km/h+ auf den meist veschneiten Straßen normal… unvorstellbar für einen Mitteleuropäer!
Die Ankunft
Schon der Anflug auf den kleinen Flughafen war interessant. Normalerweise spricht man immer von Finnland, dem Land der 1000 Seen. Doch auch hier in Schweden reihte sich ein See an den anderen. Am Flughafen erwarteten uns schon Herr v. Meißner, seine Frau und ein weiterer Helfer. Zusammen mit den andern Kursteilnehmern ging es dann in zwei BMW X3 und einem älteren Pajero auf die ca. 150km lange Reise zu unserem Hüttendorf, wo wir untergebracht waren. Auf dem Weg sahen wir direkt an der Straße eine Elchkuh mit ihrem Jungen… das ist Schweden wie man es sich vorstellt! Leider sollte das der erste und letzte Elch sein, den wir während der 4 Tage zu Gesicht bekamen.
Der See
Von unserem Hüttendorf bis zu dem Gelände, auf dem die Fahrübungen stattfinden sollten waren runde 60km zurückzulegen. Genauer gesagt war das “Gelände” ein zugefrorener See, der speziell für uns präpariert wurde! Uns standen zur Verfügung: Eine Kreisbahn mit ca. 120m Durchmesser, ein “Drag-Strip”, ca. 400m lang und 20m breit, für Bremsübungen und Ausweichmanöver sowie ein 1km langer Handlingkurs. Schon Anfang November muss begonnen werden den See zu präparieren: Sobald das Eis dick genug ist, muss der Schnee weggeräumt werden, da dieser sonst isoliert und das Eis so nicht dick genug wird. In Arjeplog gibt es eine Firma, die Icemaker, die spezialisiert darauf sind Eisflächen für die Automobilindustrie zu präparieren (www.icemakers.se).
Die Fahrzeuge
Es war so geregelt, dass 2 Teilnehmern ungefähr ein Auto zur Verfügung stand: zwei BMW X3, ein alter Volvo mit Heckantrieb, eine alte C-Klasse und ein Rennpolo. Jedoch konnten – ja: es sollten sogar – fleißig die Autos getauscht werden, so dass jeder die Möglichkeit hatte die unterschiedlichen Antriebskonzepte sowie ihre Vor- und Nachteile auszutesten.
Die ersten Drifts
Anfangs war es noch etwas gewöhnungsbedürftig, man drehte sich öfters mal auf der Kreisbahn und knutschte den ein oder anderen Schneewall auf dem Handlingkurs. Passieren konnte jedoch nichts, im schlimmsten Fall musste man wieder aus der Schneewehe herausgezogen werden. So wurde man immer mutiger und auch die Routine setzte langsam ein. Schnell war es kein Problem mehr 5, 6, 7 Runden auf der Kreisbahn im vollständigen Drift zu drehen. Ein geniales Gefühl! Am meisten Spaß machte der alte Volvo: Ohne jegliche Fahrhilfen an Bord konnte man das unverfälschte Fahrgefühl genießen. Auf dem Handlingkurs kam richtiges Rallye-Feeling aus, wenn man jeweils mit gekonntem Gegenschwung den Drift aus der einen Kurve direkt in die nächste fortsetzte! Etwas schwerer in den Drift zu bekommen war der X3: Mit seiner dynamischen Antriebskraftverteilung wusste man nie so ganz genau, was nun passiert, wenn man Gas gibt. Rein sicherheitstechnisch ist er jedoch unschlagbar: selbst die wildesten Driftwinkel bekam man durch Gegenlenken und stumpfes Vollgasgeben wieder gerade gezogen.
Rückblick
Insgesamt war es eine gelungene Reise. Allein schon das Land ist eine Reise wert. Und wenn dann noch das Drifttraining hinzukommt, dann meint man den Himmel auf Erden gesehen zu haben. Einzig die Organisation war teilweise etwas chaotisch. Herr v. Meißner hat es sich zum Prinzip gemacht, den Teilnehmern soviel Freiheiten wie nur irgend zu lassen. Das hat Vor- aber auch Nachteile: Ein großer Vorteil war, dass man – wenn man wollte – wirklich den ganzen Tag im Auto sitzen und driften konnte. Es gab keine speziellen Übungen, die alle miteinander machen mussten, sondern jeder durfte immer und überall fahren wie man wollte. Falls man Hilfestellung oder Tips brauchte, konnte man natürlich Fragen. Der Nachteil war, das die ein oder andere Aktion etwas unkoordiniert war und die linke Hand sozusagen nicht wusste was die rechte macht. Dies trübte jedoch den Fahrspaß in keinster Weise und darum ging es ja!