11.07.2003, Ofenschlupfer

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FAZ, vom 14.07.03

Dieses (nicht gestellte!) Foto ist ein wahres Meisterwerk der Tablettfotografie, denn es will uns eine Geschichte erzählen, und so auf eklatante Mißstände in der heutigen Gesellschaft hinweisen. Aber betrachten wir zunächst die Komponenten, die der Künstler, vom Zufall eindrucksvoll arrangiert, meisterhaft festgehalten hat. Im Hintergrund befindet sich, impressionistisch angeschnitten, ein weiteres Tablett. Vielleicht steckt auch hinter diesem eine Geschichte von Leid oder Freude; die Interpretation überläßt der Künstler in unnachahmlicher Manier dem Betrachter. Nun aber zum Hauptgegenstand des Bildes. Ein ultrahocherhitzter Kakaotrunk ragt aus seinem eigenen Schlagschatten hervor, und symbolisiert mit seinem Verfallsdatum die Vergänglichkeit – karikiert aber zugleich, durch das Auf- dem-Kopf-stehen dieser Ziffernfolge, den ewigen Zirkel von Leben und Tod. Dieses Thema wird fortgeführt mit der gekrümmten, toten Wespe, die als das eigentliche Zentrum des Kunstwerkes anzusehen ist. Plattgedrückt durch gefühllose Gewalt, die unübersehbar zu einer dauerhaften Verformung des Mordwerkzeuges, dem Löffel, beiläufig links arrangiert, geführt hat. Offenbar in tierischer, ja fast kindlicher Unbekümmertheit, hatte sich das possierliche Tierchen auf dem Ofenschlupfer (seinerseits ein Symbol des Verderbens) niedergelassen, um ein wenig von der einzigen richtigen Zutat dieses Backwerks, dem Puderzucker, zu naschen. Doch mit der Ignoranz des Kurzsichtigen und überzeugt von der Überlegenheit im Kampf, wurde das Lebewesen ein Opfer roher Gewalt. Diese Greueltat wird heimlich durch die, vom Ketchup ungenießbar gewordenen Pommes Frites unterstrichen, stellen sie doch, als Ersatz für die Fähigkeit der Wespe, optisch auf ihr Verscheiden hinzudeuten, ein wahres Blutbad dar.

Written by on Okt 09,2007 in: |

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